Mit der gewachsenen Struktur der Martini-Schule und dem ursprünglichen Hallenbau von Architekt Ludwig Grassi aus dem Jahr 1988 behauptet sich die Mehrzweckhalle Freystadt heute als selbstbewusste, zugleich respektvolle Fortschreibung des Bestands. Die Halle wurde generalsaniert, entkernt, brandschutztechnisch ertüchtigt und erweitert. Sie bietet Platz für bis zu 800 Personen und ist damit nicht nur Sportstätte für Schulsport, Vereinsbetrieb und Bundesliga-Badminton, sondern auch öffentlicher Raum für große Veranstaltungen, Empfänge und kulturelle Events. So bleibt die Halle ein identitätsstiftender Treffpunkt für Schule und Stadtgesellschaft. Die Dreifach-Turnhalle ist auf höchste Flexibilität, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit ausgelegt. Eine ausfahrbare Teleskoptribüne ermöglicht unterschiedliche Szenarien: Sportwettkämpfe, Schulveranstaltungen, Empfänge oder Stadtfeste. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Deckengestaltung: Eine blendfreie, hohe Decke sorgt dafür, dass Spieler des Bundesliga-Badminton-Teams uneingeschränkt agieren können, hohe Bälle sicher gespielt werden und das Spiel optimal funktioniert. Gleichzeitig sind die Sichtachsen für Zuschauer klar, sodass auch bei großen Veranstaltungen eine gute Übersicht gewährleistet ist. Akustisch wirksame Holzwolle-Elemente optimieren die Raumqualität für Sport und Reden gleichermaßen. Die bestehende Stahl-Holz-Tragstruktur bleibt sichtbar und prägt weiterhin den Charakter des Raums, geschliffen, lasiert und teilweise neu beschichtet. Zugstäbe wurden ausgetauscht, das Dach als leichte Aluminiumkonstruktion erneuert, der markante Glasdachaufbau mit Oberlicht bleibt erhalten. Tageslicht dringt tief und blendfrei in den Raum und unterstützt die Atmosphäre bei allen Nutzungen.
Das Foyer, fast doppelt so groß auf 300 Quadratmeter erweitert, bildet die Vorzone der Halle. Es bietet Raum für Aufenthalt, Begegnung, Empfang und Veranstaltungen aus Sport, Kultur und Stadtleben. Im Nordosten erweitert eine kleine Terrasse den Aufenthaltsbereich nach draußen. Die Halle ist vollständig barrierefrei erschlossen, inklusive neuem Aufzug am ursprünglichen Ort. Ein WC-Kern im Erdgeschoss wird ergänzt durch Sanitärräume im Untergeschoss. Dort befinden sich außerdem ein Stuhllager, Anschlüsse für eine Vorbereitungsküche sowie Stauräume. Die Gebäudehülle erhielt eine klare Neuordnung: Das weit auskragende Vordach aus organisch beschichteten Stahlblech-Elementen in warmem Goldton signalisiert den Eingang und bildet die attraktive Adresse „Allersberger Straße 11“. Die Außenwände erhielten mit Spachteltechnik verputzte, lebendige Oberflächen im warmen Grauton. Auch große Herausforderungen an Lüftung, Brandschutz und Versammlungsstätten und energieeffizienten Bauen wurden gelöst: Dazu gehört die Kombination aus natürlicher Belüftung mit mechanischer Unterstützung oder die Photovoltaikanlage mit rund 95 kWp. Fazit: Ein gelungenes Beispiel für Umbau statt Abbruch. Im bewusst erhaltenen Charakter der Halle aus den 1980er-Jahren zeigt die ertüchtigte Mehrzweckhalle Freystadt, wie durch gezielte Eingriffe und klare architektonische Gesten ein identitätsstiftender Ort für Schule, Sport und Stadtgesellschaft erhalten wird.
| Bauherr: | Stadt Freystadt |
| Fertigstellung: | 2026 |
| Fotos: | Erich Spahn |
| Architektur + Innenarchitektur: | Berschneider + Berschneider mit Gudrun Berschneider |