Mit dem Abschluss des zweiten Bauabschnitts startete die Grundschule Pyrbaum ins Schuljahr 2025/26 räumlich und pädagogisch neu aufgestellt. Aus der gewachsenen Schulstruktur der 1950er- und 1980er-Jahre entstand ein kompakter Lerncampus, der Unterricht, Betreuung und Ganztag unter einem Dach vereint. Am Ortsrand gelegen, wurde der Bestand nicht ersetzt, sondern weitergebaut: Der Klassentrakt der 1950er-Jahre blieb erhalten, spätere Ergänzungen wurden rückgebaut oder transformiert und durch präzise gesetzte Neubauten ergänzt. So vereint sich das Areal zu einem zusammenhängenden Ensemble mit kurzen Wegen und klarer Adressbildung. Architektonisch versteht sich das Projekt als Fortschreibung des Bestands. Maßstäbliche Baukörper fügen sich selbstverständlich in den Ort, während der neue Klassentrakt mit seinem Zeltdach mit großem Oberlicht einen zeitgemäßen Akzent setzt. Mensa, Verwaltung und Ganztagsbereiche docken als niedrigere Volumen an und bilden geschützte Zwischenräume. Die sanierte Sporthalle im neuen, hellen Auftritt komplettiert das Ensemble und kann auch für Veranstaltungen genutzt werden.
Alle Grundrisse wurden ins pädagogische Heute transformiert: Im Inneren ersetzt nun ein offenes Lernkonzept die klassische Flurschule. Klassenräume gruppieren sich zu Clustern um zentrale „Marktplätze“, die als erweiterte Lernzonen für Austausch, Gruppenarbeit und Präsentationen dienen. Oberlichter führen Tageslicht tief ins Gebäude und machen die Mitte zum kommunikativen Treffpunkt. Sichtbeziehungen zwischen Alt und Neu erleichtern die Orientierung, während Pausenhalle und Mensa als großzügige Verteilerfläche das soziale Herz der Schule bilden. Sitzfenster, Einbaumöbel und Nischen schaffen Aufenthaltsorte und differenzierte Maßstäbe. Differenzierungsräume, Werk- und Ganztagsbereiche ergänzen die flexibel nutzbare Struktur; die Mensa funktioniert gleichermaßen als Speisesaal und Veranstaltungsraum. Barrierefreie Verbindungen und ein Aufzug binden das Hochparterre des Bestands selbstverständlich an. Die Fassaden vermitteln zwischen Bestand und Neubau über eine energetisch optimierte Hülle. Ruhige Lochfassaden für die Klassenräume treffen auf transparente Pfosten-Riegel-Konstruktionen an den Treppenhäusern. Farbige Lamellen gliedern die Ansichten, setzen lebendige Akzente und integrieren zugleich die dezentralen Lüftungsgeräte – Technik wird Teil der Gestaltung. Innen entfaltet ein bewusst kindgerechtes Farbkonzept seine besondere Qualität: warme Materialien, helle Oberflächen und differenzierte, den Clustern zugeordnete Farbtöne stiften Identität und Orientierung und verleihen den Lernbereichen eine freundliche, beinahe spielerische Atmosphäre. Holz und textile Elemente verbessern zusätzlich Akustik und Haptik.
Auch konstruktiv setzt das Projekt auf Nachhaltigkeit: Sanierung und Neubau werden kombiniert, die Gebäudehülle erreicht nun KfW-55-Standard, dezentrale Lüftung sorgt für gute Luftqualität. Ein Holzpelletkessel mit Gas-Spitzenlast und Photovoltaik decken den nach der Sanierung reduzierten Energiebedarf. So entsteht aus dem heterogenen Bestand eine robuste, zeitgemäße Lernlandschaft, in der Architektur, Innenraum und Farbe gleichermaßen pädagogisches Werkzeug sind.
Fotos: Erich Spahn, Katja Novosad
Fertigstellung: 2025